Romeo & Juliette
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vom 14.06.2011

Ungewöhnlicher Einfall: Romeo (schwarzer Mantel) und Julia (blaues Kleid), flankiert von deren „Geistern“ (ganz in Weiß). Foto: pa / Balzarin
Ungewöhnlicher Einfall: Romeo (schwarzer Mantel) und Julia (blaues Kleid), flankiert von deren „Geistern“ (ganz in Weiß).
Foto: pa / Balzarin

Tragödie kennt keine Gnade

Von Ulrike Schäfer

FREILICHTTHEATER Auch in Kirsten Zeisers origineller Inszenierung im Andreasstift bleibt „Romeo und Julia“ ohne Happy-End

Juliet und Romeo: Im Innenhof des Andreasstiftes stehen sie ganz in Weiß auf dem Brunnenrand, sozusagen in Marmor gegossen, das berühmteste Liebespaar aller Zeiten, das auf tragische Weise starb und gerade deshalb nie aufgehört hat zu leben.

Es ist ein bemerkenswerter Regieeinfall von Theaterpädagogin Kirsten Zeiser, in ihrer sechsten Freilichtproduktion im Museumshof die beiden Liebenden doppelt auf die Bühne zu bringen: Während sich das Stück wie gewohnt entfaltet und die Geschichte von Romeo und Julia in überwiegend moderner Sprache erzählt, bewegt sich das literarische Paar (Lotta Christiansen und Leonard Schärf) quasi als Geist im Shakespeare-O-Ton zwischen den Protagonisten hin und her und macht die Gefühle der Liebenden auf sehr berührende Weise sichtbar. Das gibt dem Ganzen einen feierlichen Ernst, eine überraschende Gültigkeit.

Gleich zu Beginn zeigt sich, dass die Mitglieder der verfeindeten Familien Capulet und Montague nicht anders als moderne Cliquen agieren, genusssüchtig, eitel, intrigant: Sie provozieren und lassen sich provozieren. Wenn die Stimmung eskaliert, wenn ein Wort das andere gibt, ist die Hand schnell am Degen. Die eleganten Fechtszenen, hervorragend einstudiert von Christian Bott, gehörten zu den Augenweiden dieses Stücks. Bei aller Erhabenheit und Tragik des Stoffes sorgen immer wieder komische Situationen, witzige Details für entspanntes Gelächter. Vor allem die Auftritte der oberflächlichen, mit viel Dreistigkeit nach allen Seiten taktierenden Vertrauten Juliets (Yon-Ji Kwon) und des kleinen Pagen mit wirklich köstlicher Mimik gehören dazu. Nicht weniger imponiert der pragmatische Pater Lorenzo (Philipp Köhler), der seine Reibeisenstimme gekonnt einzusetzen weiß: Er traut Romeo und Juliet heimlich und ist ihnen auch behilflich bei der Flucht, die auf so schreckliche Weise misslingt.

Die Liebenden treffen sich erstmals bei einem Fest der Capulets, das Romeo (Simon Grünewald) heimlich besucht. Als er Juliet (Larissa Blanz) sieht, scheint die Welt stillzustehen. Der ganze Zauber dieser Liebe wird in der Balkonszene vermittelt, als sich die beiden gegenseitig ihr übervolles Herz zwischen Angst und Verlangen offenbaren. Umso tragischer ist der neuerliche Streit der Familien, der mit dem Tod Mercutios und Marelles endet. Romeo muss fliehen, und Juliet verfällt in untröstliche Trauer. Ihr Vater (Matthias Matheis) will sie, um sie abzulenken, schnellstmöglich mit Graf Paris (Andreas Wernz) verheiraten. Seine vernichtenden Worte, als die Tochter sich weigert, gehören sicher zu den stärksten Momenten des Stückes und werden zu Recht mit Szenenapplaus bedacht.

Ach, man wünscht sich: Dieses eine Mal könnte die ausgeklügelte Flucht gelingen, Romeo rechtzeitig benachrichtigt werden von Pater Lorenzos Plan, Juliet früher erwachen! Aber nein! Die Geschichte ist geschrieben. Die Eintracht, die sich die Väter am Grab ihrer Kinder geloben, kommt zu spät. Das letzte Wort behält jedoch nicht der Stadtobere (Garry Farmer), der mit einem Originalzitat in Englisch resümiert, sondern das Publikum, das den spielfreudigen, disziplinierten und zum Teil sehr ausdrucksfähigen Schauspielern und ihrer tollen Regisseurin stehend einen nicht enden wollenden Beifall spendet..

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 05. Juni 2012 um 12:26 Uhr
 


 

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