Jehanne
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vom 19.06.2012

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Jehanne, gespielt von Sarah Keil, erhält von dem Ritter Bertrand (Philipp Seemer) Unterricht im Kampf mit dem Schwert und wird beschützt von drei Heiligen (gespielt von Alicia Klotz, Larissa Blanz und Laura Hölter).
Foto: photoagenten / Claus-Walter Dinger

Ungestümer Charakter

Von Ulrike Schäfer

THEATER Kirsten Zeiser inszeniert eine Jeanne d’Arc zwischen Berufung und Fanatismus

Es ist immer wieder erstaunlich, wie bei Kirsten Zeiser aus einer Idee, ein paar knappen Skizzen ein ganzes Schauspiel wächst, wie sich Schwerpunkte entwickeln, lebendige Bilder entstehen, Charaktere sich formen. Das Erstaunlichste aber ist, dass sie ihr Ensemble, das in diesem Jahr auf 50 angewachsen ist, so führt und begeistert, dass es das Stück zu seinem eigenen macht und Höchstleistungen liefert.

Das ist auch bei „Jehanne - ein Leben in Ungeduld“ der Fall, der Geschichte von Jeanne d’ Arc, die vor 600 Jahren geboren wurde und wie kaum eine zweite Figur der Weltgeschichte in die Literatur eingegangen ist. Für ihre Inszenierung hat Zeiser vor allem das ungestüme, bedingungslose Wesen der Jungfrau von Orléans in den Vordergrund gerückt, ein Charakterzug, mit dem sich viele Jugendliche in dieser Lebensphase gut identifizieren können. Er befähigte Jehanne, wie sie sich selbst nannte, ihrer Vision zu folgen, brachte sie aber letzten Endes auch zu Fall.

Drei Phasen des Lebens

Zeiser lässt ihre Jehanne in drei Phasen ihres kurzen Daseins auftreten. Sie schildert das Leben des Kindes, das anders als die anderen ist, eine Träumerin, die sich schon früh als Auserwählte fühlt und auch von ihrem Umfeld so wahrgenommen wird (Sophia Bertz). Sie ist sodann die Heranwachsende, die danach drängt, ihren Eingebungen zu folgen (Sarah Keil), und schließlich die 19-Jährige, die ganz von ihrer Sendung durchdrungen ist. So leidenschaftlich, geradlinig und unerschrocken, wie Martina Schudok sie darstellt, genauso denkt man sich die Jungfrau aus Domrémy.

Das Sagenumwobene dieser Geschichte hat Kirsten Zeiser immer wieder spielerisch durchdekliniert. Bis zum Schluss wird nicht eindeutig geklärt, was Legende und Wahrheit ist, stattdessen werden die Visionen Jehannes als Teil einer mittelalterlichen Glaubenswelt dargestellt, in der Wunder selbstverständlich waren. Besonders hübsch: die drei Heiligen, als Statuen mit ihren Attributen dargestellt, die über das schwingende Glockengeläut zu der Jungfrau sprechen.

Bereits zu Beginn des Stücks, das dieses Mal die malerische Südseite der Andreaskirche als Kulisse nutzt, wird die außergewöhnliche Geschichte dieser Frau zwischen Berufung und Fanatismus durch den Chor des ganzen Ensembles unterstrichen und auch später immer wieder durch eine suggestive Musik (Alexander Giner) betont. Der Höhepunkt des Schauspiels, bei dem dem Publikum der Atem stockt, ist natürlich das Finale, Jehanne auf dem Scheiterhaufen.

Wie immer beim Theater im Museumshof werden Hintergründe durch fantasievolle Regieeinfälle spielerisch vermittelt, und auch das Lachen kommt nicht zu kurz, etwa wenn die drei Händlerinnen mit ihrem Gemüsekarren in schönstem Wormser Platt eine neue Episode einleiten, und Young Ji Kwon zeigt als Königin Isabeau von Bayern wieder einmal ihr komisches Talent.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 19. Juni 2012 um 09:33 Uhr
 
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vom 05.05.2012

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Martina Schudok spielt die Jeanne d’Arc im Stück „Jehanne - ein Leben voller Ungeduld“ des Theaters im Museumshofs. Foto: privat

 

600 Jahre Jeanne d’Arc

 

(red). „Jehanne - ein Leben voller Ungeduld“ heißt das neue Stück des Theaters im Museumshof frei nach Alberta Rommel. Das Freilichtensemble spielt zum 600. Geburtstag der heiligen Johanna die Geschichte der französischen Nationalheldin für Theaterbegeisterte ab zehn Jahren. Der Kartenvorverkauf beim Kiosk „Toto-Lotto-Neef“ am Neumarkt beginnt Mitte Mai und somit einen Monat vor der Premiere im Kreuzgang. Es finden wieder fünf Aufführungen unter der Regie von Kirsten Zeiser statt: Premiere im Innenhof des Andreasstiftes ist am Samstag, 16. Juni, weitere Aufführungen sind am Sonntag, 17., Freitag 22., Samstag, 23. sowie Sonntag, 24. Juni. Beginn ist jeweils um 17 Uhr.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 05. Juni 2012 um 12:34 Uhr
 
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vom 02.02.2012

Mit viel Einsatz und Spaß stellt Kirsten Zeiser den jungen Schauspielern ihre Vorstellungen vor. Foto: photoagenten / Ben Pakalski
Mit viel Einsatz und Spaß stellt Kirsten Zeiser den jungen Schauspielern ihre Vorstellungen vor.
Foto: photoagenten / Ben Pakalski

Blindes Vertrauen

Von Ulrike Schäfer

START   Ensemble von Theaterpädagogin Kirsten Zeiser beginnt Vorbereitung für „Jehanne“

Gerade erst ist Kirsten Zeiser für ihre Leistungen um das Jugendtheater von den WZ-Lesern zum „Kopf des Jahres“ gekürt worden, schon startet sie wieder mit einer neuen Produktion. Dieses Mal hat sie sich eines der unglaublichsten Phänomene der europäischen Geschichte vorgenommen: das Leben der Jeanne d’Arc, des Bauernmädchens aus Domrémy in Lothringen, geboren vor 600 Jahren, das Stimmen hörte und die Weisung erhielt, den rechtmäßigen König auf den Thron zu bringen und das Land von den Engländern zu befreien. Am 30. Mai 1431 wurde sie als Hexe verbrannt.

„Wie ist das, wenn ich plötzlich Stimmen höre, vor allem wenn ich allein sie höre?“, fragte Kirsten Zeiser ihre quirlige Truppe von rund 30 Leuten zwischen sechs und 56 beim ersten Treffen in der Magnusgemeinde und bot ihnen eine ganze Reihe von Übungen an. Etwa, dass einer mit geschlossenen Augen seinen Namen hört und in die Richtung gehen muss, aus der die Stimme kommt. Oder dass „Heiligenfiguren“ bei einer touristischen Führung plötzlich ein Zeichen geben. Oder, dass einer sich blind führen oder fallen lässt. Denn das wichtigste Moment für Jeannes außergewöhnliches und letztendlich (zunächst) auch erfolgreiches Verhalten sei ihr unbedingtes, blindes Vertrauen in die Stimme der heiligen Katharina gewesen, erklärt die Theaterpädagogin. Sie hat mehrere Romane über die „Jungfrau von Orléans“ gelesen, darunter auch Alberta Rommels Jugendbuch „Jehanne“, das sie wegen des unerwarteten Endes angesprochen hat. Auf diesen „Verblüffungsjoker“ will sie ihre Inszenierung bauen.

Was sie an der französischen Nationalheldin fasziniert, ist ihre drängende Ungeduld - nachfühlbar etwa beim Warten auf Weihnachten, beim Arzt, an der Supermarktkasse oder in der Schlange vor der Toilette. „Vielleicht könnt ihr diese Erfahrungen auch mit in das Stück nehmen“, meint Kirsten Zeiser und entwirft zum Schluss einen Zeitstrahl, der sich über sechs Jahre erstreckt und alle Spieler miteinbezieht - als Eltern, Geschwister, Förderer, Ritter, Geistliche, König, Stimmen der Heiligen und dreimal Jeanne in verschiedenen Altersstufen.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 05. Juni 2012 um 12:29 Uhr
 

 

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