Drucken E-Mail

alt

vom 22.06.2010

alt
Dracula auf Tuchfühlung mit zwei von seinen Töchtern.
(Foto: Ulrike Schäfer)

Draculas aufmüpfige Töchter

Von Ulrike Schäfer

THEATER im Museumshof Erfolgreiche Premiere von Vampir-Geschichte

Ach, wie schön gruselig, wenn Draculas Burg weißer Nebel entströmt und wie auf Kommando der Schreckliche selbst erscheint, ganz in Schwarz, mit grauen Haaren und roten Augen! So schön pathetisch wie Gerry Farmer spricht kein Zweiter, und keiner stolziert auch so gravitätisch daher. Es fällt nicht schwer zu glauben, dass er das Böse selbst ist!

Aber so richtig Pep in das neueste Theaterstück im Museumshof des Andreasstifts bringen erst Draculas Töchter. Für sie hat Theaterpädagogin und Regisseurin Kirsten Zeiser die berühmte Vampir-Geschichte von Bram Stoker umgeschrieben und erweitert. Die acht Mädels sind Papas blutrünstiger Stolz, gefährlich, knackig, liebeslustig, aber auch mit einer Sehnsucht nach Normalität und - man höre und staune - auch einem Gewissen. Zwar folgen sie weiterhin ihrem dunklen Trieb, doch tut es ihnen zunehmend leid, junge Menschen durch den Vampir-Biss ins Verderben zu bringen. Ihnen zur Seite steht das wendige, knurrende Quartett der Werwölfe, die ihrem Herren und Meister unschuldige junge Mädchen zuführen und andere verwerfliche Dienste erweisen.

Gegenpol zum Reich der Untoten ist der Advokat Jonathan Harker (Daniel Seemer), der nach Transsylvanien reist, um mit Graf Dracula einen Kaufvertrag über eine Villa in London abzuschließen. Das Wirtsehepaar und die bunte Gruppe der Zigeuner warnen ihn, doch er macht sich lustig über ihren Aberglauben. Erst die seltsamen Vorkommnisse im Schloss des Grafen flößen ihm Furcht ein, und schließlich nimmt das Schicksal, immer wieder bedeutungsschwanger kommentiert von der weiß gekleideten Seherin (Tawsha Farmer), seinen Lauf. Das Bildnis von Jonathans Verlobten Mina (Johanna Hellmann) erinnert Dracula an die Frau, die er einst liebte, und so schickt er sein jüngeres Ebenbild (Jens Kaldschmidt) direkt aus dem Sarkophag, pikanterweise einem Originalrequisit, in die Welt der Lebenden, um sie zu sich zu holen. Doch hat er nicht mit seinen aufmüpfigen Töchtern gerechnet, mit der reinen Liebe Minas und der Unerschrockenheit Professor Van Helsings, alias Matthias Matheis, der unter Einsatz seines Lebens die schöne Lucy (Shanice Rössel) dem Bösen entreißt und Dracula selbst mit vorgehaltenem Kreuz fürs erste unschädlich macht.

Wie immer hat Kirsten Zeiser geschickt die historische Kulisse in ihre Inszenierung einbezogen und viele kleine bewegte Szenen geschaffen, bei denen ihre großen und kleinen Schauspieler wunderbar zur Geltung kommen. Unendlich viel Phantasie und Arbeit steckt in dieser Aufführung, die Darsteller, mittlerweile schon halbe Profis, erbringen eine gewaltige Leistung. Grund genug, sich unbedingt eine der nächsten Aufführungen anzusehen, die hoffentlich dann nicht wie bei der Premiere von kleinen Schauern unterbrochen werden.
 

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 05. Juni 2012 um 12:22 Uhr
 

 

folgt uns auf Facebook

 

Wir werden
unterstützt durch:


Das Museum der Stadt Worms
 im Andreasstift

 


Verband Deutscher
Freilichtbühnen e.V.


 


Stadt Worms