Drucken E-Mail

alt

vom 30.06.2009


Beherzter Zugriff vor staunendem Publikum: Little John legt einen Soldaten aufs Kreuz. Szene aus der sonnendurchfluteten Aufführung im Museumshof.
(Foto: Rainer Klotz/mp)

Von Ulrike Schäfer

THEATER Gruppe aus Kindern und Erwachsenen zeigt die Geschichte des Robin Hood / Inszenierung von Kirstin Zeiser

Robin Hood -  wer kennt ihn nicht, den edlen Räuber, der die Reichen beraubte, um die Armen zu beschenken? Im neuen, rundum gelungenen Theaterstück, das Theaterpädagogin Kirsten Zeiser mit einer über 30-köpfigen Kinder- und Erwachsenentruppe im Museumshof aufführte, ging es nicht um einzelne Helden-Episoden, sondern um die an die Historie angelehnte Sage.

Sie spielt um 1200, als Robin Hood vom Kreuzzug in seine Heimat zurückkommt, um Lösegeld für seinen in Worms festgehaltenen König Richard Löwenherz einzusammeln. Er setzt sich an die Spitze des Volks zu Nottingham, das unter dem machtgierigen Sheriff leidet, und bereitet es im Wald von Sherwood auf den Widerstand vor. Als er die schöne Marion befreien will, wird er überwältigt, und fast sieht es so aus, als sei sein Ende gekommen. Da taucht ein Mann in Bettlerkleidern auf, mit dem niemand mehr gerechnet hat...

In dem Stück, das auf einer Vorlage von Dirk-Daniel Zucht basiert, kommt alles vor, was das Herz begehrt: Gut und Böse, Tapferkeit, Liebe, Treue und Solidarität, Waffengeklirr und Gaukelei, wunderschöne Kostüme und natürlich jede Menge Humor. Dafür sorgt schon Bruder Tuck, der für ein Fässchen Branntwein nahezu alles tut -  recht irdisch gespielt von Matthias Matheis.

Aber Regisseurin Kirsten Zeiser hat sich auch sonst jede Menge einfallen lassen, um die Zuschauer zu erheitern. Etwa wenn die Mutter des Sheriffs (Maria Hilberg) Platz nimmt auf einem knienden Soldaten, so dass er anschließend das Reißen hat und fortgetragen werden muss. Witzig auch die beiden scharfzüngigen Sheriffstöchter (Tawsha Farmer und Stephanie Unkel) oder die beiden Zofen (Johanna Hellmann und Franziska Hendrich), die sich mit recht unlauteren Mitteln um die Gunst ihres Herren streiten.

Der Sheriff selbst (Gerry Farmer), ein Bösewicht wie aus dem Bilderbuch, ist sicher einer markantesten Figuren. Dem tapferen Robin (Leonard Schärf), der sich manche ironische Watsche gefallen lassen muss, steht der edle Sarazenenprinz Omar (Philipp Seemer) zu Seite, der sich perfekt in Zeichensprache zu verständigen weiß. Der schönen und couragierten Marion (Franziska Grünewald) wird freilich in einer der besten Szenen des Stücks der Rang durch eine Doppelgängerin abgelaufen: wenn der arme Guy von Gisbourne (Jakob Weis) wie eine Lady säuselt, lacht das Publikum Tränen.

Die eigentlichen Helden des Stücks sind aber die kleinen Leute, die Räuber -  allen voran Little John (Andreas Wernz) und seine resolute Frau Clarise (Shanice Rössel), die Bürger von Nottingham, und die wunderbaren Gaukler. Einfach mitreißend Martina Schudok, Katharina Karlin und die Zwillingsgaukler (Rosa und Emma Steger). Das Andreasstift fungierte als belebtes Schloss von Nottingham, im Kreuzgang nahmen die Bogenschützen in Kettenhemden Aufstellung und die Gaukler bespielten musizierend, Rad schlagend das ganze Gelände.

Für die strahlende Kirsten Zeiser und ihr tolles Team war nicht nur der riesige Beifall Lohn und Ansporn, sondern ganz besonders auch das große Lob Ludwig Hofmanns vom Verband Deutscher Freilichtbühnen, der eigens angereist war, um das Stück zu sehen.
 

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 05. Juni 2012 um 12:22 Uhr
 

 

folgt uns auf Facebook

 

Wir werden
unterstützt durch:


Das Museum der Stadt Worms
 im Andreasstift

 


Verband Deutscher
Freilichtbühnen e.V.


 


Stadt Worms