Drucken E-Mail

alt

vom 19.06.2007

Von Helmut Weick

Jugendbande trotzt der Gesellschaft
"Die Geschichte von Branko" fasziniert im Hof des Andreasstifts / Mitreißende Premiere

Die Geschichte handelt von kleinen Rebellen, unfreiwilligen Revolutionären und Kindern, die auf der Straße leben und dabei oft Klassen- und Altersschranken überwinden. Der Schauplatz: eine spießige Kleinstadt an der Küste Kroatiens. Und die Moral von der Geschicht´: Der Überlebenswille und Zusammenhalt der Kinder macht sie stark und lässt sie wieder in die Gesellschaft zurückfinden.
Die zahlreichen Zuschauer hatten ein ebenso ernstes wie heiteres Spiel gesehen. Ein quirliges, teils mitreißendes Kinder- und Jugendtheater. Eine Inszenierung, wie maßgeschneidert für die Kulisse des Andreasstiftes.
Branko gab es wirklich. Der Autor Kurt Held schildert in seiner Geschichte ein Reiseerlebnis aus den frühen 30er Jahren. "Kurt Held" - dieses Pseudonym steht für den 1897 in Jena geborenen Autor Kurt Kläber, der wegen seiner politischen Gegnerschaft zum Nationalsozialismus zeitweilig inhaftiert wurde und später mit seiner Frau in die Schweiz emigrierte. Kläber blieb wegen einer Krankheit im kroatischen Senj hängen, wo er Branko und das rothaarige Mädchen Zora La Rouquine mit ihren Freunden kennen lernte. Er verbrachte einige Zeit mit den Straßenkindern, eine Zeit, die den Anstoß zu seinem ersten Jugendbuch gab.
Branko ist zwölf Jahre alt, als er seine Eltern verliert. Er wird eines Diebstahls bezichtigt, den er nicht begangen hat, dann in die Jugendbande der "Uskoken" aufgenommen und schlägt sich mit der Bande durch.
Ungeachtet ihres dramatischen Hintergrunds brillierte die Aufführung durch ihre locker und heiter anmutenden Züge und durch zahlreiche optische und akustische Effekte. Das tollkühne Stück hatte seine ausgeprägten Charakterdarsteller. Sehr dominant dabei: Gerry Farmer, der als Polizist Begovic einen überzeugenden Part ablieferte und das Publikum geradezu begeisterte. Mit markanter Stimme und authentischer Aura agierte auch Walter Passian, dem die Rolle des alten Fischers wie auf den Leib geschneidert schien. Lautstarken Beifall gab´s am Ende auch für den genervten Bäcker Curcin (Uwe Schulz) und seine Frau Mila (Margarethe Köhler), deren schrilles Organ wahrhaftig keine technischen Verstärker brauchte.
Allesamt sehr markante Hauptdarsteller, eingebettet in eine bemerkenswerte Gesamtleistung. Über Monate hatte sich das 40-köpfige Ensemble vorbereitet. Die Premiere gelang vortrefflich.
Mit Blumen und Glückwünschen überhäuft wurde am Ende Kirsten Zeiser, die für Bearbeitung, Idee und Regie verantwortlich zeichnete - nach "Momo" im letzten Jahr ein weiteres Erfolgserlebnis und ein Höhepunkt im Wormser Kultursommer.

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 15. November 2009 um 15:11 Uhr
 

 

folgt uns auf Facebook

 

Wir werden
unterstützt durch:


Das Museum der Stadt Worms
 im Andreasstift

 


Verband Deutscher
Freilichtbühnen e.V.


 


Stadt Worms