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vom 04.07.2006

Graue Herren mit dicken Zigarren

Theaterprojekt spielt "Momo" im Andreasstift

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clw. Seltsame graue Herren stehen im Innenhof des Andreasstifts. Sie paffen dicke Zigarren, haben fahle Haut und bauen sich äußerst bedrohlich hinter einer Gruppe verängstigter Kinder auf. Beschwörend sprechen sie eindringlich auf die Jungen und Mädchen ein: "Zeit, gib mir deine Zeit!"
Die Zeit - sie stand im Mittelpunkt, als das Wormser Theaterprojekt am Sonntag seine Premiere des Michael-Ende-Klassikers "Momo" feierte. Im voll besetzten Museumshof präsentierte das Ensemble die Parabel vom Zeitdiebstahl, in der das kleine Mädchen Momo gegen eine Schar grauer Herren kämpft, die den Menschen die Zeit stehlen wollen.
Rund zwei Stunden dauerte die Freilichtaufführung, die von Kirsten Zeiser nach Michael Ende inszeniert wurde, mehr als 40 Darsteller waren daran beteiligt. Flott und pfiffig, mit einem Hauch Situationskomik, kam die Inszenierung daher, aber auch nachdenklich und gesellschaftskritisch.
Die Protagonistin Momo (Viviane Lennert) wohnt in einem alten italienischen Amphitheater. Das struppige, verwaiste Mädchen ist der Sonnenschein der Gegend, immer auf Zack und voller Ideen. Doch es gibt Probleme in Momos Welt: Die grauen Herren, mit den Agenten XYQ (Susanne Hamann-Krämer) und BLW (Gerry Farmer) an der Spitze, treiben ihr Unwesen - kalt, mechanisch und nahezu emotionslos versuchen die Herren, alle Menschen davon zu überzeugen, Zeit einzusparen. Aber in Wahrheit sparen die Menschen keine Zeit ein, sie werden vielmehr um ihre Zeit betrogen. Denn während sie versuchen, Zeit für die Zukunft zu sparen, vergessen sie dabei die Gegenwart, das Leben im Jetzt.
Die grauen Herren schaffen es, Momo von ihren Freunden und ihrer Umwelt zu isolieren. Bei ihrer Rückkehr in ihre gewohnte Umgebung hat sich ihre Welt völlig verändert: Der gutmütige Gastwirt Nino (Ilke Meixner) betreibt jetzt einen Schnellimbiss. Der kesse Fremdenführer Gigi (Donata Weinbach), Momos bester Freund, ist ein allseits umschwärmter Popstar. Der langmütige, etwas einfältige Straßenkehrer Beppo (Joachim Bonath), Momos väterlicher Freund, hat den grauen Herren versprochen, 100 000 Stunden Zeit einzusparen. Und die Kinder gehen alle ins Kinderdepot, um sinnvoll spielen zu lernen.
Als die grauen Herren dann ihr Ziel beinahe erreicht haben, schreitet der weise Meister Hora (Gerhard Dubitzky) ein. Der geheimnisvolle Verwalter der Zeit lässt die Zeit still stehen und schickt das Mädchen Momo in den Kampf gegen die Herren. Momo wird dabei von der Schildkröte Kassiopeia (Ramona Schärf) unterstützt. Die Zuschauer sind begeistert und für sie ist klar: Bei diesem Stück wird ihnen keine kostbare Zeit gestohlen.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 10. November 2009 um 14:57 Uhr
 

 

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